14 Sep

Tabuthema Fehlgeburt – Buchempfehlung

Viele Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, leiden stillschweigend unter diesem Verlust. Aus vielen Gesprächen auch mit den Männern in meiner Praxis weiß ich, wie belastend die Geschehnisse für das Paar sind, wie schwer es ist, das Erlebnis zu verarbeiten und nach einer Trauerzeit wieder in den Alltag zurückzukehren. In der Öffentlichkeit kommt das Thema Fehlgeburt so gut wie nie vor.

Nun ist der neue Ratgeber “Tabuthema Fehlgeburt” erschienen, der Einblicke in die Erfahrungswelt der Betroffenen gibt und durch fachliche Informationen abrundet. Die Autorin Miriam Funk hat 400 Frauen befragt, die Berichte lesen sich streckenweise erschütternd. Da reden Ärzte tatsächlich von der “Entsorgung des Materials” im Angesicht der Patientin, die um ihr Kind trauert. Das Buch ist dann auch ein Plädoyer für einen sensibleren Umgang mit dem Thema im Klinikalltag und in der Gesellschaft insgesamt. Es ist nicht entscheidend, in welcher Schwangerschaftswoche es zu einer Fehlgeburt kommt. Es ist der Verlust des Kindes – zu jedem Zeitpunkt.

Interessant und hilfreich sind auch die Empfehlungen für die Angehörigen: wenig einfühlsam ist es die Erlebnisse zu beschwichtigen. Es ist keinesfalls tröstlich für die Wunscheltern zu hören, dass es ja noch gar kein Kind gewesen sei. Genauso unangemessen: Spekulationen über eine mögliche Behinderung.

“Alle Frauen sollen wissen: Du bist nicht schuld!”, ist das wohltuende Credo der Autorin, die eine Gemeinsamkeit aller interviewten Frauen festgestellt hat. Sie alle müssen erst lernen, dass sie nichts falsch gemacht haben. Ein wichtiger Schritt, um die Situation mit der Zeit akzeptieren zu können.

Der Ratgeber für Betroffene und Angehörige ist im Mabuse-Verlag erschienen und kostet 16,95 Euro.

16 Apr

Trauer in der Kinderwunschzeit – Noch immer ein Tabuthema

Die Sehnsucht nach einem Kind kann so groß sein, dass es sich so anfühlt, als sei ein geliebter Mensch verloren gegangen. Menschen, die sich sehnlich ein Kind wünschen und Monat für Monat enttäuscht werden, erleben eine Krise. Die kann besonders schwer wiegen, weil beide Partner sich von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und ihre Sorgen und Ängste kaum oder überhaupt nicht mehr mit anderen teilen. Trauer in der Kinderwunschzeit ist ein großes Thema, sei es weil sich keine Schwangerschaft einstellt, weil eine Schwangerschaft frühzeitig beendet wurde oder mit einer Fehl- oder Totgeburt endet. Auch Familienmitglieder und der Freundeskreis des betroffenen Paares erahnen häufig nicht das Ausmaß der Trauer und nach einer gewissen Zeit wird erwartet, dass der Alltag wieder Einkehr erhält. Doch dies ist vielen Paaren erst durch professionelle Unterstützung möglich. Bei einer psychosoziale Begleitung in dieser Lebensphase unterstütze ich beide Partner darin, die schweren Erlebnisse in ihrem eigenen Tempo anzuerkennen und zu würdigen, um schließlich neuen Lebensmut zu schöpfen.

Um mich weiter zu dem Thema Trauer in der Kinderwunschzeit fortzubilden, besuche ich am Wochenende die Fachweiterbildung, die das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) im Kloster Schwarzenberg in der Nähe von Würzburg erstmalig anbietet.