30 Apr

Neid, Wut und Versagensängste – Auswege aus dem Gefühlschaos

Die stillende jüngere Schwester auf dem Familienfest, der tobende Nachwuchs auf der Grillparty und dazu die beste Freundin, schwanger und überglücklich. Wenn die Welt nur noch aus runden Bäuchen und Kindern zu bestehen scheint, dann kann das für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch eine ungeahnte Dimension von belastenden Gefühlen wie Neid, Wut und Ohnmacht auslösen.

“Warum scheinen alle problemlos schwanger zu werden? Nur wir nicht!” In meiner Praxis begegne ich starken Gefühlen von Neid, Ungerechtigkeit und Wut. Sie sind schambesetzt, aber natürliche Reaktionen auf die als existentiell erlebte Krise des unerfüllten Kinderwunsches. Es zeigt sich auch hier folgende Dynamik: Gefühle können um so größer werden, desto weniger Raum ihnen eingeräumt wird. So kann es für Wunscheltern ein erster Schritt sein, sich ihrer verletzlichen Seite zuzuwenden und sich einzugestehen: wir benötigen Rücksicht von unserem Umfeld. Eine Haltung, die häufig erst erarbeitet werden muss, um liebevoll für sich selbst zu sorgen, wahrzunehmen, was zum jetzigen Zeitpunkt gut tut oder was zusätzlichen Stress bereitet. Dies in der passenden Form mitgeteilt, führt zu einer deutlichen Entlastung des Paares und im Übrigen auch des Umfeldes. Denn Freunde und Familie nehmen Hinweise in der Regel dankbar auf. Sie sind interessiert an Informationen und Erfahrungen, wie sie kurz und pointiert auch in deutscher Sprache auf diesem Faltblatt zusammen gestellt sind:

Unfruchtbarkeit – Ein Faltblatt für Freunde und Verwandte

http://www.icsicommunity.org/information/fact-sheets/infertility-for-friends-and-relatives

16 Apr

Trauer in der Kinderwunschzeit – Noch immer ein Tabuthema

Die Sehnsucht nach einem Kind kann so groß sein, dass es sich so anfühlt, als sei ein geliebter Mensch verloren gegangen. Menschen, die sich sehnlich ein Kind wünschen und Monat für Monat enttäuscht werden, erleben eine Krise. Die kann besonders schwer wiegen, weil beide Partner sich von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und ihre Sorgen und Ängste kaum oder überhaupt nicht mehr mit anderen teilen. Trauer in der Kinderwunschzeit ist ein großes Thema, sei es weil sich keine Schwangerschaft einstellt, weil eine Schwangerschaft frühzeitig beendet wurde oder mit einer Fehl- oder Totgeburt endet. Auch Familienmitglieder und der Freundeskreis des betroffenen Paares erahnen häufig nicht das Ausmaß der Trauer und nach einer gewissen Zeit wird erwartet, dass der Alltag wieder Einkehr erhält. Doch dies ist vielen Paaren erst durch professionelle Unterstützung möglich. Bei einer psychosoziale Begleitung in dieser Lebensphase unterstütze ich beide Partner darin, die schweren Erlebnisse in ihrem eigenen Tempo anzuerkennen und zu würdigen, um schließlich neuen Lebensmut zu schöpfen.

Um mich weiter zu dem Thema Trauer in der Kinderwunschzeit fortzubilden, besuche ich am Wochenende die Fachweiterbildung, die das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) im Kloster Schwarzenberg in der Nähe von Würzburg erstmalig anbietet.